Hier ist nur Farbe (im Frontend ist der Text nicht sichtbar)
fachschule-630x180

„Es ist soweit, der Unterricht findet im Januar in den Räumen der Gedenkstätte der Wewelsburg statt. Wir, Auszubildende zur bzw. zum Verwaltungsfachangestellten, sitzen im Seminarraum im Untergeschoss der Gedenkstätte und erhalten Informationen über die Wewelsburg als Teil der Kreisverwaltung des Kreises Paderborn. Für uns von besonderem Interesse ist die Verwaltungsarbeit, die in einem Museum im Hintergrund abläuft und die man bei einem normalen Besuch eines Museums nicht sieht. So also könnte die Arbeit auf einem zukünftigen Arbeitsplatz im Kulturbereich aussehen – die Einführung eröffnete damit einen interessanten Aspekt auf der Metaebene unseres Ausbildungsberufes.

In der anschließenden Führung durch die Gedenkstätte wurden ebenfalls v. a. Aspekte der Rolle der Verwaltung im Nationalsozialismus aufgegriffen. Zur Zeit des Nationalsozialismus sollte die Wewelsburg zum ideologischen Zentrum der SS ausgebaut werden. Dabei fielen viele Verwaltungstätigkeiten außerhalb der Organisation der SS an, v. a. im Bereich des Baurechts. Anhand einiger Exponate konnten wir die Tätigkeiten der Behörden während dieser Zeit nachverfolgen. Unvorstellbar: Es wurden Baugenehmigungen für das Krematorium und das Konzentrationslager Niederhagen von der damals zuständigen Stelle in Soest genehmigt, ohne dass die besondere Art der Anlagen für das Genehmigungsverfahren eine Rolle gespielt hätte. Uns wurde deutlich, dass die Behörden funktionierten und damit quasi zu Marionetten des SS-Regimes wurden.

Anschließend besichtigten wir den Nordturm, welcher nach Himmlers Vorstellungen als Kultort der höchsten Führungsebene des Dritten Reiches dienen sollte. Wir flegelten uns auf die im Raum verteilten Sitzsäcke – etwas verwundert über diese Ausstattung des Raumes. Den Grund erfuhren wir alsbald: Der häufig in der Vergangenheit von Neonazis gemachte Versuch, diesen Raum als Kultort wiederzubeleben, soll so durch die „Möblierung“ mit Sitzkissen unterbunden werden und die bedrohliche Atmosphäre der Vergangenheit soll zerstört werden.

Nach einer kurzen Stärkung während der Mittagspause ging es weiter mit der Führung durch das Hochstiftmuseum. Eine breit gefächerte Sammlung von Exponaten aus der Steinzeit über das Mittelalter bis zur Säkularisierung zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts erwartete uns – Zeugen der Geschichte im Kreis Paderborn. Das Museum hat unterschiedliche Programme für unterschiedliche Zielgruppen. Besondere Angebote gibt es für Kinder, welche auf spielerische Weise die Geschichte ihrer Region kennenlernen können.

Auch wir durften einige Exponate aus ansonsten verschlossenen Schubladen nicht nur in Augenschein nehmen. Unser Mitschüler Alexander Kraft wollte sich einmal in seinem Leben wie ein Ritter fühlen und schlüpfte in das rund 18 Kilo schwere Kettenhemd des Ritters „Kunibert“, wie man im Bild unten sieht. Es steht ihm – oder? Für den dauerhaften Gebrauch ist es allerdings doch etwas unbequem.

Nach der Abschlussrunde, in welcher wir noch einmal die Ereignisse des Tages Revue passieren ließen, machten wir uns mit vielen neuen Eindrücken über die Rolle der Verwaltung im Museum auf den Heimweg.“

 

Ein Bericht von Julia Fretter, Sahra Schürmann und Frank Seltrecht aus der V15a

© 2017 Berufskolleg Schloß Neuhaus